Gesellschaft und Ökologie

- weltweit ökologisch denken und handeln -

Gesellschaft und Ökologie - Nachrichten aus Umwelt, Naturschutz und Ökologie

Geheimnisvolles Bienensterben

Seit Jahren versuchen Wissenschaftler, das Massensterben von Bienen und Hummeln zu ergründen. Mittlererweile sterben die Insekten nicht nur in Europa (30 %) und Nordamerika (30 %), sondern auch im Nahen Osten sind stellenweise bis zu 85 Prozent aller Kolonien verendet. Allein in Deutschland stellte das Sterben von ca. 300.000 Bienen-Völkern Imker und Wissenschaftler gleichermaßen vor ein Rätsel. Die Experten in den unterschiedlichen Ländern gehen jetzt davon aus, dass nicht ein einzelner, sondern ein ganzes Konglomerat von Ursachen für das Sterben verantwortlich sind.

Da wären zum einen die Pestizide. Wissenschaftler aus Frankreich entdeckten, dass Gifte wie Neonicotinoiden die Orientierung der Bienenvölker stört, so dass die Tiere den Weg zu ihrem Volk nicht mehr finden. Die Studien des britischen Forschers Dave Goulson von der schottischen Universität in Stirling ergaben, dass Bienen-Völker die dem Insektizid Imidacloprid ausgesetzt waren im Durchschnitt acht bis 12 Prozent kleiner als nicht belastete Populationen waren. Auf diese Art präparierte Hummeln brachten 85 Prozent weniger Königinnen hervor. Ein weiter wichtiger Punkt, da die Zahl der Königinnen die Zahl der neuen Nester im kommenden Winter  beeinflusst.

Doch die Insektizide können das Bienen-Sterben kaum alleine erklären. Sorge bereiten den Experten auch der starke Milbenbefall und Vireninfektionen.  „Wir kennen alleine zehn verschiedene Viren, die sich gerne in Völkern festsetzen, dazu kommen mehrere  Bakterien und natürlich die Varroamilbe“ sagt Bienenforscher Dietmar Wittmann von der Universität Bonn. Die aggressive Varroamilbe gilt als größter Feind der Honigbiene, da sie sich an den Insekten festbeißt, wie Blutegel bei Säugetieren.  Aber auch der Klimawandel leistet seinen Beitrag zum Biene-Sterben. Durch die milden Temperaturen in den vergangenen Jahren waren die Milben besonders lange aktiv und beschleunigten so das Sterben.  Mobilfunk, Gentechnik, Luftverschmutzung und die Zerstörung der Lebensräume komplettieren den tödlichen Mix für die Tiere.

Die Folgen dieses Sterbens sind weitreichend, werden von den meisten aber nicht wahrgenommen. Die Honigbiene ist nach Rind und Schwein das drittwichtigste Nutztier. Zwar sorgen auch Schmetterlinge oder Fliegen dafür, dass Pflanzen befruchtet werden und sich fortpflanzen können, doch ist die Biene der mit Abstand bedeutendste Bestäuber. Die Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen vermutet, dass von  rund 100 Nutzpflanzen, die weltweit 90 Prozent der Nahrungsmittel stellen – beispielsweise Nüsse, Früchte und Getreide – 71 Prozent hauptsächlich von Honigbienen bestäubt werden.  So fordern die Verfasser des UN-Berichts auch einen bewussteren Umgang mit der Ressource Biene: „Deren Bestäubung sei keine kostenlose Dienstleistung, sondern eine, in die man ein wenig investieren muss, um sie zu schützen und zu behalten“. Jeder einzelne kann seinen Teil dazu beitrage, „dass fängt schon bei so einfachen Dingen wie dem regionalen Bio-Einkauf an“, so die Biologin von Orlow vom deutschen Naturschutzbund.

 

Noch keine Kommentare.

Kommentar hinterlassen

*wird nicht angezeigt

XHTML erlaubte Tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

Gesellschaft und Ökologie läuft unter Wordpress 4.7.6
Anpassung und Design: © WP-Theme - gesellschaft-fuer-oekologie.de
W3C Konform